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Raum, Motiv und Fläche

...und einige "Regeln" um den Unvorsichtigen zuvorzukommen.

Diese Lektion begann als etwas ziemlich spezielles: als Beschreibung einer weit verbreiteten Daumenregel für den Bildaufbau. Ich war nicht so ganz zufrieden mit der Weise wie sie ursprünglich geschrieben war. Ich entschied daher, sie mehr in Richtung der Ziele dieses Kurses zu bringen: Zu lernen, gleich in Richtung des Bildaufbaus zu denken. So wurde es zu etwas ganz anderem – einem Aufsatz über die grundlegenden Elemente des Bildaufbaus: Raum, Motiv und Fläche.

Das Ziel dieser Lektion ist die Einführung dreier grundlegender Elemente, wenn man an den Bildaufbau denkt: Die Aufteilung von Raum, Motiv und Fläche. Zu erlernen, wie sie mit einer einfachen Methode in eigenen Fotos angewendet werden können und das Ergebnis an eigenen Bildern zu diskutieren.

Was ist Raum?

Raum ist ein täuschend einfaches Konzept, über das schon viel geschrieben wurde – sehen Sie sich zum Beispiel Henri Lefebvre's The Production of Space an. (Meine Frau hat es gelesen und sie hätte es nicht unter der Domain notbored.org (deutsch: "nicht langweilig".org) ins Internet gestellt; Ich habe gar nicht erst versucht es zu lesen.) Hier verwenden wir "Raum" in einer einfachen, fast trivialen Bedeutung. Wir definieren ihn einfach als die ebene Fläche, die durch die Kanten bzw. Ränder des Fotos (dem "Ausschnitt") begrenzt wird.

Die grundlegende Herausforderung beim Fotografieren ist das Füllen dieses Raums. Wenn alles erfolgreich war – dass es für alles innerhalb des Raums einen Grund gibt und es in Beziehung zu anderen Dingen darin steht – wird das Ergebnis ein gutes Foto sein. Wenn es schlecht gemacht wurde, d.h. die Dinge innerhalb des Raums erscheinen zufällig, zusammenhanglos, chaotisch oder wenn es ohne besonderen Grund viel leeren Raum gibt, werden Sie ein schlechtes Foto bekommen. Natürlich heißt das nicht, dass kein leerer Raum im Foto sein sollte – tatsächlich ist es so, dass gerade dieser "negative Raum" manche Fotos auszeichnet. Die Sache ist, alles im Ausschnitt sollte aus einem bestimmten Grund dort sein. Egal ob dieser Grund durch den Fotografen ursprünglich beabsichtigt wurde oder sich vielmehr im nachhinein ergeben hat (wie wir zum Beispiel an vielen Fotos sehen konnten, die in Lektion Bildaufbau unterrichten gezeigt wurden).

Das erste Gebot des Bildaufbaus kann ganz einfach ausgedrückt werden:

Fülle den Rahmen bzw. Ausschnitt.

Wir Menschen begreifen unsere Umwelt, indem wir sie aufteilen. Die Natur hat keine Unterbrechungen: Jede Zuordnung, die wir vornehmen, ist in gewissem Maße willkürlich. Wo endet die Hand und wo beginnt das Handgelenk? An welchem Tag endet der Winter und der Frühling beginnt? Wenn Sie Ihre Haare schneiden, schneiden Sie dann etwas von sich selbst ab?

Wenn man an den Raum denkt, den ein Foto repräsentiert, sind solche Aufteilungen besonders willkürlich und können oft auf verschiedene Arten vorgenommen werden. Trotzdem hilft das Konzept der Raumaufteilung – sowohl beim Verständnis, als auch bei der Bewertung der Arbeiten Anderer und beim Anfertigen eigener Arbeiten.

In einem sehr realen Sinne ist Bildaufbau die Aufteilung von Raum. Wenn Sie sich ein leeres Blatt Papier nehmen und es in ein Bild verwandeln wollen, haben Sie in dem Moment, an dem der Stift das Blatt berührt, den Raum darauf bereits eingeteilt. Erst in Punkt und Nicht-Punkt, dann in Linie und Nicht-Linie, links von der Linie, rechts von der Linie, wenn Sie vielleicht eine geschlossene Kurve gemalt haben, innerhalb und außerhalb dieser Kurve – und vielleicht jetzt schon – in Motiv und Fläche. Natürlich kann es mit der Kamera so sein, dass die Aufteilung des Raums ein fast sofortiges Ereignis ist, dass beim Drücken des Auslösers erfolgt. Das ändert aber nichts am grundlegenden Prozess: Was vor dem Drücken des Auslösers erfolgte, war das Festlegen des Ausschnitts für das Foto im Sucher. Sie als Fotograf haben bestimmt, was im Foto enthalten sein soll und was nicht, wo die Linien, Bereiche und Blöcke der Farben, Lichter und Dunkelheit liegen, was also den dunklen Raum aufteilt, das einen unbelichteten Film in ein fertiges Foto verwandelt.

Wenn Sie das nächste Mal ein Bild sehen, das Ihnen gefällt – als Bild an sich, nicht wegen dem abgebildeten Motiv – sehen Sie es sich genauer an. Wie ist der Raum darin verwendet und aufgeteilt worden? Ist ein "Bruch" darin – Bereiche, die einfach uninteressant sind oder nichts zum Ganzen beitragen? Schaffte es der Künstler den "Ausschnitt zu füllen"?


Zaun und Spuren im Schnee, von alexo.

Motiv und Fläche

Wir können häufig eine besondere Art der Aufteilung von Raum erkennen, wenn wir uns ein Foto ansehen: Die Trennung zwischen Motiv und Fläche. Diese Begriffe sind am besten tautologisch definiert: Fläche ist alles, was nicht Motiv ist, und Motiv ist alles, was nicht Fläche ist. Natürlich haben nicht alle Fotos mit einem "künstlerischen Anspruch" (was immer das heißen mag) ein erkennbares oder eindeutiges Motiv bzw. Fläche. Überraschenderweise ist es aber sehr häufig so. Auf jeden Fall ist dieses Konzept sehr nützlich, wenn man sich die Fotos anderer Personen ansieht und eigene macht.


Apfelkerngehäuse, von hinus. Ich denke Sie wissen, was ich mit
Motiv und Fläche meine, wenn Sie sich dieses Foto ansehen

Die Beziehung zwischen Motiv und Fläche (oder Motiven und Flächen, wie es auch der Fall sein kann) ist eins der Dinge, wodurch ein Foto gut oder schlecht wird. Wenn das Motiv und die Fläche in erkennbarer optischer Beziehung zueinander stehen und mit einem Zweck (ob instinktiv oder bewusst) in diese Beziehung zueinander gesetzt worden sind, dann sind diese Fotos im Allgemeinen effektiver als solche, in denen keine oder nur eine zufällige Beziehung besteht.

Ein Beispiel ist der typische Ferien-Schnappschuss: Ihre bessere Hälfte, die vor einem Denkmal steht, ist normalerweise in fotografischer Hinsicht nicht sehr ansprechend, da der Vorder- und Hintergrund nicht wirklich miteinander verschmelzen oder kommunizieren: Es ist einfach eine Person und eine Szene, fertig, nichts weiter. Dieses einfache Foto kann deutlich verbessert werden, wenn Sie etwas unternehmen um eine Beziehung zwischen Motiv und Fläche herzustellen - zum Beispiel bitten Sie Ihre bessere Hälfte sich an einem Stück Mauer abzustützen und das Denkmal zu bewundern. Jetzt ist sie ein Teil der Szene anstatt etwas völlig davon losgelöstes.


Joanna hütet Schafe, von Petteri

So, jetzt können wir ein weiteres Prinzip des Bildaufbaus ableiten – da es detailierter ist, ist es nicht mehr so universell einsetzbar, wie das vorige:

Erkenne das Motiv und die Fläche
und bringe sie in Beziehung zueinander.

Mein Gedanke war, als ich obigen Schnappschuss geschossen habe, dass Joanna und das störrische Schaf das "Motiv" bilden, wobei der Rest der Szene die "Fläche" darstellt. Die Verbindung entsteht durch Joanna's physischen Kontakt mit dem Schaf und der Ähnlichkeit des Schafs mit den anderen Schafen im Hintergrund – zusammengehalten durch den glücklichen Umstand, dass ein Schaf oben links im richtigen Moment direkt in die Kamera gesehen hat.

Aber wie kann man die Aufteilung in Motiv und Fläche bewerkstelligen und sie dann in Beziehung zueinander bringen?

Es gibt unendlich viele Antworten auf diese Frage, aber keine, die wirklich "richtig" oder "falsch" wäre. Im Allgemeinen ist es eine gute Idee mit dem gewünschten Motiv zu beginnen auf das Sie sich konzentrieren möchten. Wenn das nicht funktioniert – weil das Motiv, an dem Sie wirklich interessiert sind, zu groß ist – könnten Sie die Fläche zu Ihrem Motiv machen und etwas mehr oder weniger zufälliges darauf machen Sie dann zum virtuellen Motiv: Wir kommen etwas später im Kurs wieder darauf zurück (siehe Das falsche Motiv).

Die Beziehung kann thematisch sein, basierend auf Farbe oder Farbkontrast, durch kreative Nutzung der Tiefenschärfe erzeugt werden, auf Form, Muster oder Farbton basieren, auf Blickrichtungen aufbauen (Die Leute können sehr gut den Blicken von Personen folgen – das ist der Grund, weshalb der Blick Ihres Modells auf die schöne Szene so gut als Verbindung wirkt), oder, na ja, so ziemlich alles eigentlich. Manchmal bestehen die Beziehungen schon und müssen nur noch erkannt werden. Andere Male können sie "konstruiert" werden – entweder indem Sie etwas in der Szene verändern, oder einfach indem Sie Ihren Standort, den Ausschnitt oder etwas anderes ändern.

Einige Dinge, die man tun und lassen sollte

Gehen wir weiter – zu den noch spezielleren, noch kontroverseren und immer weniger universell einsetzbaren Dingen. Kommen wir zu den wenigen allgemeinen Erkenntnissen die im Zusammenhang mit Motiv und Fläche funktionieren (oder auch nicht). Beachten Sie hierbei besonders, es handelt sich um Leitfäden, nicht um Regeln: Manchmal kann das Brechen dieser Leitfäden in einem effektiveren Foto resultieren. Ich sehe aber nichts schädliches am Wissen von den Leitfäden und dem Streben danach.

  • Entscheiden Sie sich, was Ihr Motiv und was die Fläche ist. Wenn Sie ein Foto Ihrer besseren Hälfte am Notre Dame in Paris machen, sollten Sie sich überlegen, was Sie betonen möchten. Wenn Sie beide mit der gleichen "Gewichtung" behandeln, wird die Kathedrale mit der Person in Konkurrenz um den Status des Motivs stehen, was vielleicht nicht klappen wird ... zumindest solange nicht, bis Sie es schaffen eine Beziehung oder einen Zusammenhang zwischen beiden herzustellen.
  • Nehmen Sie etwas in den Vordergrund. Fotos mit einem Eindruck von Tiefe wirken ansprechender als solche, die "flach" aussehen. Selbst wenn das, woran Sie interessiert sind, wunderschön aussieht, wird das Foto sehr häufig mehr Wirkung zeigen, wenn Sie etwas aus dem Vordergrund mit dazu nehmen.
  • Vermeiden Sie Verschmelzungen. Die Szene, die Sie fotografieren ist dreidimensional, aber das Foto wird flach sein. Das heißt, solange das Foto keine starken optischen Hinweise zur räumlichen Tiefe gibt (etwas, über das wir später sprechen werden), können das Motiv und die Fläche leicht verschmelzen: Was als Fläche gedacht war, erscheint als Teil des Motivs. Der klassische Fall ist das Fotografieren einer Person vor einer Palme. Das Ergebnis sieht dann so aus, als ob die Palme aus dem Kopf des Motivs wachsen würde. Manchmal kann es genau das sein, was Sie erreichen möchten – behalten Sie auf jeden Fall die Verschmelzungen im Auge: Wenn sie nicht beabsichtigt sind, sehen sie vielleicht nicht gut aus.

Die Drittel-Regel

Jetzt kommen wir zu dem Teil, den Ed hasst: Die Drittel-Regel. Es gibt auch einen guten Grund sie zu hassen – erstens schon mal, weil sie als "Regel" bezeichnet wird (Was impliziert, dass eine Nichtbefolgung zu einer Bestrafung führt) und zweitens weil es eine zu einer Daumenregel reduzierte Version einer wirklich schönen, fast mystischen Eigenschaft ist, die in Kunst, Natur, Biologie, Mathematik und an anderen ungewöhnlichen Stellen mit überraschender Regelmässigkeit wieder zu finden ist. Ich spreche vom Goldenen Schnitt. Wenn Sie ein erfahrener Fotograf sind, der Erfahrung mit der Drittel-Regel hat, überspringen Sie den Rest dieser Lektion und lesen Sie beim Goldenen Schnitt weiter – Sie finden eine Unmenge von Informationen darüber im Internet und in der örtlichen Bücherei.

Trotzdem gibt es etwas über die Drittel-Regel zu sagen: Sie ist einfach genug, um leicht beim Fotografieren aus der Hand heraus angewendet zu werden. Das Ergebnis ist fast immer ein interessanteres Foto als der Standard-Nicht-Bildaufbau, bei dem das Motiv – Peng – in die Mitte des Ausschnitts bei mittlerem Abstand plaziert wird (Ursprünglich begann Kodak durch Verbreitung dieses Konzepts den Leuten zu helfen, schönere Schnappschüsse zu machen). Diese Regel zwingt Sie außerdem das Motiv und die Fläche festzulegen und darüber nachzudenken, wie Sie den Rest des Raumes im zukünftigen Foto aufteilen möchten – selbst wenn Sie sie nicht einsetzen, kann Ihnen schon das alleinige Nachdenken darüber geholfen haben. Für mich ist die Drittel-Regel so etwas wie ein Notanker: Wenn sich für das Foto kein anderer Bildaufbau anbietet, denke ich mir: "Hey, mit der Drittel-Regel kann ich nicht zu falsch liegen."

Trotzdem ein Wort der Warnung: Mißverstehen Sie nie die Drittel-Regel oder irgendeine andere Regel für den Bildaufbau als Notwendigkeit für fotografische Perfektion. Viele Kritiken in Amateur-"Fotoclubs" machen diesen Fehler – Ich habe sogar gehört, dass ein Punktrichter bei einem Wettbewerb innerhalb eines Clubs Punkte abgezogen hat, weil das Motiv einige Millimeter von der Position abwich, die durch die Drittel-Regel beschrieben wird. Ich erinnere mich auch an eine Diskussion im DPReview Forum bei der jemand Linien in seinen Sucher geritzt hat, um die Drittel-Regel besser befolgen zu können. Manchmal verdienen Kritiker ihren Ruf, wobei ich nicht glaube, dass alle schlecht sind.

Was ist die Drittel-Regel?

Die Drittel-Regel ist im Prinzip ganz einfach: Sie teilen den Bereich des Bildes in Drittel ein, mit zwei vertikalen und zwei horizontalen Linien und bauen Ihr Foto um diese neun Bereiche und die vier Schnittpunkte herum auf. Es gibt viele Möglichkeiten sie anzuwenden; sogar so viele, dass Sie sie mit etwas Suchen auf vielen bereits gemachten Fotos wiederfinden werden, egal ob der Fotograf dabei die Drittel-Regel im Sinn hatte oder nicht.

Positionierung des Motivs

Die einfachste Möglichkeit ist das Plazieren des Motivs in der Nähe einer der Schnittpunkte. Zum Beispiel so:

Trotzdem ist das nicht alles. Zum Beispiel gibt die Drittel-Regel einen guten Anhaltspunkt, wo der Horizont einer Landschaft sein sollte. Beispiel:

Natürlich kann der Horizont auch auf die obere Linie gelegt werden; aber diesmal war ich der Meinung, dass der Himmel etwas interessanter ist als das Wasser, deshalb wurde das Foto so gemacht.

Die Drittel-Regel bei der Aufteilung des Raums

Ein anderer Ansatz ist der Aufbau des Fotos um die Regionen herum, die durch die Linien eingegrenzt sind, nicht nach den Linien oder Schnittpunkten selbst:


Dieses Foto wäre viel schöner gewesen, wenn
ich etwas oder jemanden im Vordergrund gehabt
hätte. Ich hätte warten sollen, bis jemand
vorbeikommt, aber das Wetter war kalt, nass
und ekelhaft, und ich war ungeduldig.

Aufgaben

  1. Sehen Sie sich ein Foto aus der Besprechung in der vorigen Lektion an, das Ihnen gefallen hat – nicht Ihres, sondern das von jemand Anderem. Diskutieren Sie die Aufteilung des Raums darin. Hat es ein erkennbares Motiv bzw. Fläche oder mehrere Motive bzw. Flächen? Gibt es verschiedene Möglichkeiten einer Interpretation, was davon Motiv und Fläche darstellt? Glauben Sie, der Fotograf hatte einen besonderen Gedanken im Sinn als er diese Raumaufteilung vorgenommen hat?
  2. Verwenden Sie die gleiche Kamera wie bei der vorigen Aufgabe. Finden Sie ein Objekt und studieren Sie es und dessen Umgebung. Verwenden Sie die Umgebung als Fläche. Stellen Sie einen Zusammenhang oder Verbindung zwischen dem Motiv und der Fläche her. Fotografieren Sie mehrere Varianten und zeigen Sie die, die Ihnen am Besten gefallen. Erläutern Sie, was Sie getan haben, warum, wie und warum Sie ausgerechnet diese Variante für Ihre Präsentation ausgewählt haben.
  3. Fleißaufgabe: Erstellen Sie eine Abstraktion. Lesen Sie sich den Anhang durch und sehen Sie sich einige Abstraktionen der vorgeschlagenen Künstler an. Lassen Sie sich Zeit, machen Sie Fotos in vielen Variationen. Denken Sie darüber nach, wie Sie etwas Interessantes daraus machen können, selbst wenn es kein Foto von irgendwas Bestimmtem ist: Vielleicht erinnert es Sie an etwas, ruft eine Erinnerung oder Gefühl hervor, ergibt einfach nur eine Art regelmäßiges Muster oder vielleicht sind einfach nur die Farben schön. Wenn Sie es hilfreich finden die Drittel-Regel oder den Goldenen Schnitt bei Ihrer Abstraktion anzuwenden, dann tun Sie das. Aber lassen Sie sich dadurch nicht einschränken. Erläutern Sie, warum Sie die Abstraktion auf diese Weise durchgeführt haben, was Sie zu erreichen versuchten und wie gut Sie glauben es erreicht zu haben. Oh, und machen Sie sich keine Sorgen, wenn es nicht so abstrakt ist wie das Meiste der Künstler im Anhang – sogar Malevich und die anderen Künstler haben manchmal objektähnliches Material in Ihren Abstraktionen verwendet. Die Hauptsache ist, dass das Foto nicht primär das Bild von irgendwas Bestimmtem sein soll, sondern der Hauptaugenmerk sollte darauf gelegt werden, wie der Raum im Foto aufgeteilt wird.

Anhang: Was ist eine Abstraktion?

Eine Abstraktion ist etwas, das nicht direkt als das Bild "von" etwas wiedererkannt werden kann. Es bezieht sich nicht auf ein Objekt. Stattdessen ruft es Assoziationen und Gefühle hervor. Das wird durch die Aufteilung des Raumes und der Aufteilung in sich selbst erreicht. Trotzdem haben die meisten abstrakten Künstler ihre Arbeit nicht als etwas völlig von der Realität losgelöstes betrachtet – im Gegenteil sie wollten, dass ihre Kunst etwas grundlegenderes und "wahreres" darstellt, als die bildliche Darstellung. Tatsächlich stellt der Begriff "Abstraktion" am Ende ein Frage dar – Abstraktion von was?

Es gibt ein bekanntes, abstraktes Bild des ukrainischen Künstlers Kasimir Malevich mit dem Namen "Black Square" (1913) (deutsch: schwarzes Quadrat). Auf den ersten Blick ist es der Inbegriff von abstrakter Kunst – einfach ein schwarzes Quadrat, das mitten auf eine weiße Leinwand gemalt wurde, ohne Sie vollständig zu bedecken. Lediglich ein bisschen langweilige, anspruchsvolle, künstlerische Wichtigtuerei, nur um von "Insidern" geschätzt zu werden? Auf keinen Fall.

"Black Square" bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn Ihnen ein bestimmter Umstand bekannt ist und Sie den anderen gesagt bekommen.

  1. In russisch-orthodoxen Wohnungen ist eine Ecke des Raumes für eine Ikone reserviert, mit etwas Raum davor um Wachskerzen anzuzünden. Die Ikone, die Christus darstellen soll, wird in der Nähe der Decke aufgehängt und blickt quasi in den Raum hinein.
  2. Kasimir Malevich zeigte "Black Square" in der Ecke eines Raumes in der Nähe der Decke und etwas schräg hängend, damit das Bild quasi in den Raum blickt.

Ich bekomme immer noch einen Schock bei dieser "Bedeutung", wenn ich mir diese beiden simplen Tatsachen vergegenwärtige. Das unbedeutende schwarze Quadrat wird plötzlich in etwas mit gewaltiger Kraft umgewandelt – eine Herausforderung niemand anderem als Gott selbst entgegen gesetzt! Durch die Verwendung des Platzes, der normalerweise für eine Ikone von Christus reserviert ist, wird das schwarze Quadrat selbst zu einer Ikone. Hieraus erwächst eine weitere Frage: Von was ist das schwarze Quadrat eine Ikone? Was stellt es dar? Es ist eine Abstraktion – von was?

Die Kraft der abstrakten Kunst liegt in der Möglichkeit durch "reine" Aufteilung von Raum solche Assoziationen hervorzurufen. Ob diese Assoziationen bei der Anfertigung des Kunstwerks geplant waren oder durch den Betrachter hineininterpretiert wird, ist in meinen Augen nebensächlich. Der Punkt ist, man kann es tun: Um das Grundlegende einer Sache darzustellen, müssen Sie sie nicht selbst darstellen; Es ist eher so, dass das die kraftvollste Art und Weise ist, eine Idee darzustellen. Die anti-religiösen Poster und Bilder im sozialistisch-realistischen Stil, mit Ihren fetten Geistlichen, Mönchen mit struppigen Bärten und triumphierenden Arbeitern sehen trist und einfach dumm aus neben der einfachen, arroganten Meinungsäußerung von Malevich's schwarzem Quadrat.

Für weitere Inspirationen, können Sie sich die Arbeiten von Kasimir Malevich, Basilika Kandinsky oder Jackson Pollock ansehen, um nur wenige zu nennen. Oder Sie können sich die Entwicklung zum Beispiel von Piet Mondrian von der bildlichen zur abstrakten Kunst ansehen.


Dachstruktur in einem verlassenen Gebäude auf Nahr Beirut, von Joanna S-S. Es gibt nichts
wirklich interessantes an diesem Dach – aber ich denke das Muster der Lichtstrahlen, das
Licht und der Schatten, die blauen Flecken und sogar das Gefühl der Bewegung, verursacht
durch das Verwackeln, machen das Bild des Dachs interessant für den Betrachter. Es
ruft auch bei mir eine starke Emotion hervor.

Februar 2007 DSLR-Forum alle Fotos und Kommentare: Attach:Workshop_Teil2-2007.pdf

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